Freitag, 26. März 2010

Lebende Tote


Sten Gagnér zitiert in seinem Nachruf auf Bernhard Rehfeldt den schwedischen Schriftsteller Erik Gustaf Geijer. Die Sternschrift der Vergangenheit bestünde aus den Gedanken der Toten; Gedanken, die aufzuklären, zu rühren, zum Erstaunen zu bringen und zu bezaubern vermögen, als wäre in ihnen lebendiger Geist. Und ebenso, wie sich in den Gedanken der Toten dieser Geist vernehmen, fühlen, verstehen lasse, wirke ein Mensch schon zu Lebzeiten am wesentlichsten unbewusst durch das, was er sei, durch die Summe, das Fazit seiner Handlungen. Nach seinem Tod sei der Gesamteindruck eines Menschen am klarsten zu gewinnen. "Es gibt keine in aller Stille gesegnete Erinnerung, die nicht segnend wirkt. Eine solche Wirkung aber ist überall die des Lebens, nicht die des Todes. So leben auch die Toten. Und wer viel mit den Gedanken der Toten umgegangen ist, der kann am wenigsten daran zweifeln."

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Notes & Quotes


Wer nicht auf meine Denkfetzen verzichten und sein Englisch aufpolieren will, ist im Jahre 2010 herzlich willkommen bei http://michaelkunze.blogspot.com.

Samstag, 12. Dezember 2009

Ein Jahr ist erst mal genug


Heute wird dieser Blog ein Jahr alt. Ihn zu schreiben, hat Spaß gemacht. Aber bevor das tägliche Zitieren und Notieren zur Routine wird, soll der Spaß ein Ende haben. Danke für die vielen treffenden, kritischen und witzigen Kommentare. Sie waren oft mehr wert als die Einträge. Bis irgendwann... vielleicht.

Freitag, 11. Dezember 2009

Apropos Afghanistan


"Kein Staat soll sich in die Verfassung und Regierung eines andern Staats gewaltthätig einmischen. Denn was kann ihn dazu berechtigen? Die Einmischung äußerer Mächte ist eine Verletzung der Rechte eines nur mit seiner innern Krankheit ringenden, von keinem andern abhängigen Volks, selbst also ein Skandal, der die Autonomie aller Staaten unsicher macht.
"
Immanuel Kant

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Ein Großer


Der Holländer Robert Long verweigerte sich jedem Klischee und jeder Vereinnahmung. Ihn führte seine Begeisterung für Elvis und die Beatles zur Musik. Erste Charterfolge in den Niederlanden machten ihn als Sänger bekannt. Weil ihn aber die Produktion von Tageshits bald anödete, begann er Lieder zu schreiben, die von seinen eigenen Gefühlen erzählten. Durch zahllose Live-Auftritte in der niederländischen Kabarettszene wurde er rasch zu einem der bekanntesten “Liedermacher” Hollands. Seine Musik ist eingängig und unverkrampft emotional. Aus seinen Texten spricht ein kritischer Geist und eine verletzliche Seele. Nichts in seinen Liedern ist gekünstelt oder auf Effekt berechnet. Es gibt keine ehrlicheren Songs. Er konnte bitter sein (“Lebenslänglich”), ironisch (“Feste Jungs”), bissig (“Morgen sind wir tolerant”), doch am tiefsten berührte er durch seine leisen Lieder. Sein trotziger Abschied vom Vater, der ihm schmerzhaft fremd geblieben war (“Pa”), seine Beschreibung einer tapferen Trennung (“Stark sein”) und seine Erinnerung an eine große Liebe (“Thorbeckeplatz”) sind bewegende Zeugnisse eines Empfindsamen. In allem, was er als Künstler und Mensch tat und sagte, war Robert Long authentisch. Das Rollenspiel, die Attitüde und vor allem die Lüge in allen ihren Formen waren ihm verhasst. Wer das Glück hatte, ihm persönlich zu begegnen, lernte einen stillen, freundlichen und hochintelligenten Mann kennen. Sein Blick war offen, sein Lächeln entwaffnend, sein Auftreten bescheiden. Er war, nicht nur wegen seiner 1,92, einer der Großen. Robert Long starb vor drei Jahren. Die Musikbranche, die ihn ohnehin weitgehend ignorierte, hat sein Fehlen gar nicht bemerkt.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Regel


"Egal ob du schreibst oder tanzt oder malst oder singst: Sobald du ein bisschen Erfolg hast, wird irgendwer kommen und versuchen, dir ein schlechtes Gefühl zu geben. Er wird entweder alles, du machst, beschissen finden oder behaupten, du vergeudest dein Talent."
Stephen King

Dienstag, 8. Dezember 2009

Gebet

Lieber Theatergott, der Du uns hierhergelockt hast. Lass dies kein verlorener Abend sein. Bitte lass uns etwas erleben, was wir noch nie zuvor erlebt haben. Schenke uns Einblick in Wahrheiten, die wir bisher nur erahnten. Befreie uns durch Heiterkeit, für die wir uns nicht schämen müssen. Erwecke Gefühle in uns, die wir verdrängten. Erzähle uns eine Geschichte, deren Ablauf uns in Atem hält, und deren Ausgang uns glücklich macht, obwohl wir ihn so nicht erwartet haben. Amen