Dienstag, 6. Januar 2009

Nicht alles so positiv


"Die Musikbranche ist eine stinkende Geldkloake, ein riesenhaft aufgeblasener Plastikschlauch, in dem sich Gauner und Zuhälter herumtreiben und anständige Leute vor die Hunde gehen. Aber sie hat auch negative Seiten."
Frei nach Hunter S. Thompson

Falsche Berufswahl


In den Fünfziger Jahren eroberten Arthur Millers Dramen die Theater der Welt. Nach dem Sensationserfolg von Death Of A Salesman kam auch The Crucible an den Broadway. Am Tag vor der Premiere bummelte der Dramatiker in einer Probenpause durch die 48ste Straße und blieb bei einem Hot-Dog-Stand stehen. Als er die Wurst bezahlte, erkannte er in dem Verkäufer einen Schulfreund. Sie begrüßten sich herzlich und tauschten die üblichen Schulerinnerungen aus. "Was machst du denn in New York?", fragte der Hot-Dog-Verkäufer. Miller erzählte nicht ohne Stolz von seinen internationalen Erfolgen, dem Pulitzer Preis und der bevorstehenden Broadwaypremiere. Seine Würstchen drehend meinte der Schulfreund: "Wahrscheinlich hätte ich auch so was machen sollen." 

Montag, 5. Januar 2009

Yoko Marcos


Vergesst Imelda Marcos! Wie in der brandneuen John-Lennon-Biografie von Philip Norman nachzulesen ist, war Yoko Ono die weit aktivere Schuh- und Klamottensammlerin. Im Dakota Building, das John und Yoko bewohnten, mussten für die Einkäufe regelmäßig freiwerdende Wohnungen dazugekauft werden. Selbst der kleiderwütige Elton John, der die Lennons öfter besuchte, war beeindruckt. Nach der Besichtigung mehrerer Stockwerke voll Kleidungsstücken dichtete er John Lennons berühmtesten Song um: "Imagine six apartments, it isn't hard to do, one is full of fur coats, the other's full of shoes..."

Sonntag, 4. Januar 2009

Goldene Eier


Der griechische Dichter Aesop erfand vor 2600 Jahren die Fabel von den goldenen Eiern: Ein armer Bauer entdeckt eines Tages im Nest seiner Gans ein goldglänzendes Ei. Erst denkt er, sein Nachbar hätte sich einen Scherz mit ihm erlaubt. Als er das Ei jedoch zum Goldschmied bringt, bestätigt ihm der, dass es aus massivem Gold ist. Auch am nächsten Tag legt die brave Gans ein goldenes Ei, und zwei Tage später wieder, und so fort mehrmals die Woche eins. Auf dem Bauernhof bricht der Reichtum aus. Mit ihm die Gier. Der Bauer will nicht jeden Tag darauf warten, ob wieder ein Goldei im Nest liegt. Er will alle Eier auf einmal. Kurz entschlossen schlachtet er die Gans. Natürlich muss er feststellen, dass der Gänsebauch leer ist. Mit den goldenen Eiern ist es ein für allemal aus. So weit die Originalerzählung. Man kann nun einfach darüber schmunzeln und die Geschichte für ein nettes Märchen halten. Man kann sich aber auch an Stelle des Bauern einen Industriemanager, einen Banker, einen Musicalproducer oder sonst wen vorstellen. Wenn man dann der Gans und den goldenen Eiern entsprechende Bezeichnungen gibt, ist Aesops Fabel auf einmal verblüffend aktuell. Zur Zeit ist Schlachtung. Allerorten sieht man dumme Gesichter.

Samstag, 3. Januar 2009

Erfolgsgeheimnis


Kanadas legendärer Eishockey-Star Wayne Gretzky wurde gefragt, warum er so viel besser spielt als alle anderen. "Die meisten Spieler," antwortete er, "laufen dahin, wo der Puck ist; ich laufe dahin, wo der Puck sein wird."

Freitag, 2. Januar 2009

Kulturbeitrag


Man stelle sich vor, dass in der noblen Klassikerreihe des Winkler Verlags nach Goethe, Schiller und Heine die gesammelten Werke eines deutschen Liedertexters erscheinen. Geht nicht, ist unvorstellbar. In den USA ist etwas Vergleichbares geschehen. Der Knopf-Verlags, der Shakesspeare, Walt Whitman und Virginia Woolf in kommentierten Editionen verlegt, hat soeben die gesammelten Liedertexte von Oscar Hammerstein II veröffentlicht. Stöhnt da die amerikanische Intelligenz auf? Im Gegenteil. Die New York Times ist begeistert. Die Musicaltexte von Hammerstein seien unvergängliche Beiträge zur Entwicklung des Musiktheaters und "Bestandteil der Textur der modernen Zivilisation". Okay, wir haben keinen Hammerstein. Aber wenn wir ihn hätten, müsste auch er sich hierzulande gegen den Vorwurf wehren, "nur" U-Texte geschrieben zu haben. Weil bei uns die Kultur grundsätzlich dort aufhört, wo ein breites Publikum erreicht wird.

Donnerstag, 1. Januar 2009

Im Roggen gefangen


Zu früh Erfolg zu haben, ist kein Segen. In einem fulminanten Roman schrieb sich ein völlig unbekannter junger Mann die Frustration von der Seele, die sich in seiner Schul- und Studentenzeit aufgestaut hatte. Das Buch trug den merkwürdigen Titel "The Catcher in the Rye" (Der Fänger im Roggen), handelte aber weder von Catchern noch von Getreide. Vielmehr schilderte es das Ausflippen eines rebellischen Jugendlichen, der gegen Eltern, Lehrer und Konventionen aufbegehrt. Das Werk des bis dahin unbekannten Autoren wurde zum Sensationserfolg. Literarisch nahm es die Ikonografie von Marlon Brando und James Dean vorweg. Bis heute ist "The Catcher in the Rye" die Bibel vieler aufmüpfiger Teenager, nicht nur in Amerika. Jerome David Salinger, der Verfasser, wurde fast über Nacht zu einem der Großen der Literaturszene. Sein Pech. Er schrieb andere Bücher und Beiträge für renommierte Zeitschriften. Aber ein vergleichbarer Wurf konnte ihm nicht mehr gelingen. Auch Schriftsteller knacken den Jackpot nur einmal. Im Juni 1965, vierzehn Jahre nach Veröffentlichung des ersten Romans, gab Salinger auf. Nicht das Schreiben, nur das Hoffen. Da er es leid war, vergebens auf einen zweiten Erfolg zu warten, verzichtete er fortan auf die Publikation seiner Werke. Er behauptete, nur noch für sich selber schreiben zu wollen. Quatsch. Kein Autor schreibt nur für sich selbst. Schon gar nicht einer, der den Weltruhm geschmeckt hat. Vermutlich musste er sich selbst belügen, um nicht in Depressionen zu stürzen. Heute feiert J. D. Salinger seinen 90. Geburtstag. Wahrscheinlich. Ganz genau weiß man nämlich nicht, ob er noch lebt. Niemand kennt seinen Aufenthalt. Das aktuellste Foto von ihm ist über 40 Jahre alt.